Seiten

Montag, 27. September 2010

Zeitreise zu den Akha

Dieses Mal gings nicht nur in den Norden Laos, sondern an einen weiteren Rand der Scheibe und gefühlte 100 Jahre in der Zeit zurück - unser Ausflug hat uns zu den Akha in Nordlaos geführt. Diese Volksgruppe stammt ursprünglich aus dem Süden Chinas und ihre Sprache hat dementsprechend keine Gemeinsamkeit mit dem Laotischen, nachdem ich aber bisher auch noch nicht nennenswert laotisch spreche, war das dann auch schon egal. Die Region zählt zu einer der ärmsten des Landes und viele Dörfer sind trotz massiver Abholzung und Brandrodung der Berghänge für den Reisanbau immer noch auf das World Food Programm angewiesen. Es war mehr als schockierend zu sehen wie die Berge teils bis ganz nach oben abgeholzt waren und durch Erosion ganze Hänge abgerutscht waren, aber auch hier im hohen Norden von Laos macht der immense Rohstoffhunger der Chinesen nicht halt und die zunehmende Bevölkerung tut ihr übriges. Durch den Mountain Rice waren die Hänge aber trotzdem grün und man konnte doch auch oft einfach die überwältigende Bergkulisse bestaunen.


Nachdem die Chinesen in Laos ja lieber Staudämme bauen, als Geld für sinnvollere Dinge zu investieren, wie z.B. den Strassenbau, hat unsere Fahrt dann auch schlappe 8 Stunden gedauert und unsere Bandscheiben wurden über Stunden gefährlich auf die Probe gestellt. Zum Glück gings dann das letzte und schlimmste Stück mit den Jeeps von der UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) weiter. Das Dorf ist eines von vielen in der Gegend, die durch Tourismus eine Alternative zum Opiumanbau bekommen sollen, weshalb wir dieses Projekt unter anderem zusammen mit der UN machen. Bei uns ist es Teil des Fair Trek Programms und hier sollen vor allem Voluntäre für mehrere Wochen ins Dorf kommen und entweder die Dorfbewohnern im Alltag begleiten, oder z.B. beim Bau einer Schule helfen - natürlich kommen aber auch ganz “normale” Touristen für einige Tage im Dorf wohnen, aber das wird wohl jetzt am Anfang noch eher die Ausnahme sein.
Nach einer dreiviertel Stunde Fußmarsch waren wir dann endlich vor Einbruch der Dunkelheit da und haben das Dorf durch das magische Tor und damit auch eine andere Zeit betreten. Dann gings gleich zu unserem Antrittsbesuch beim Dorfältesten und Dorfchief, was sich nach dem nächtlichen Regen einfacher anhört als es war, denn als Europäer sieht das mit dem durch den Matsch, Kuhschei... und Co die steilen Wege hoch und über wacklige Zäune klettern eher selten so flink und grazil wie bei den Akha aus. Aber wir habens zumindest ohne grössere Lacher und Blessuren geschafft. Dann wars auch schon dunkel und wir haben uns beim Dorfältesten in der zum Glück nicht so verrauchten Hütte wie in denen vorigen zum Abendessen getroffen. Das Problem ist, dass sie Akha ihre Feuerstellen im Haus haben und es da auch keine Öffnung geschweigedenn Abzug geben würde, weshalb die Augen nach 5 Minuten dunkelrot sind und man sich fühlt als hätte man nen ganzen Tag in ner Raucherlounge eines Flughafen verbracht.
Fürs Abendessen haben wir noch unsere Reste unseres viel zu üppigen Mittagessens mitgebracht und die Akha-Frauen haben das Ganze noch mit äußerst leckerem mountain-rice, Hühnchen in Ingwersauce, Gemüse, Leber,.... erweitert - äußerst lecker. Aber so einfach sind wir natürlich nicht davon gekommen - klar der Reisschnaps durfte natürlich nicht fehlen und nachdem immer paarweise, also 2,4,6 usw getrunken wird und nicht trinken sofort entdeckt wird, war das alles andere als ein Ponyhof. Vor allem waren da ein paar Flaschen dabei, die’s echt insich hatten und der Geschmack erinnert jetzt auch eher an Spiritus, als an das, was man bei uns so als Verdauungsschnaps normalerweise trinken würde. Aber gut, wir waren ja bei den Akha und nicht in Schuhmann’s Bar.
Für die Nacht haben sie uns dann handgemachte Matratzen auf dem Boden ausgerollt und dazu ebenfalls handgemachte Kopfkissen und Decken gegeben, was am Ende gar nicht mal so unbequem war. Nachdem die Akha aber anscheinend keine Langschläfer sind und die ersten schon gegen 3 oder 4 Uhr morgens anfangen Reis zu stampfen, Tiere wahlweise zu füttern oder zu schlachten, wars dann auch für uns gegen 6 Uhr vorbei mit schlafen. Das Frühstück sieht eigentlich fast genauso aus, wie alle anderen Mahlzeiten, aber es gab zusätzlich noch sehr leckeren Kürbis und Rühreier mit Ingwer. Natürlich durfte auch morgens um halb sieben der überaus beliebte Reisschnaps nicht fehlen - bei uns Europäern hat sich die Begeisterung aber in Grenzen gehalten, nachdem auch hier gilt - nur einen trinken geht nicht. Als Krönung gabs dann noch für die Ehrengäste - also uns - die gekochten Köpfe der kurz vorher geschlachteten Hühner - zum Glück war's hier mal ok, dass wir die nur angeschaut und nicht gegessen haben.
Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich noch auf den Dorfberg klettern, von wo es angeblich einen tollen Ausblick über das Dorf und die Täler gibt. Nachdem es aber die ganze Nacht und auch dann als wir gerade losgelaufen sind geregnet hat, der Weg trotz Machete immer schwieriger zu erkennen war und es mit den Wolken eh keine Aussicht gegeben hätte, haben wir beschlossen diese Aktion auf ein andermal zu vertagen. Nachdem erstuanlicherweise alles heil unten angekommen waren, haben wir auch schon unsere Sachen gepackt und uns auf unseren holprigen und vor allem langen Heimweg gemacht. Auf dem Weg haben wir dann noch in zwei Nachbardörfern angehalten, wo wir natürlich auch wieder Schnaps trinken mussten und eine seltsame aber leckere Mischung aus Melone und Gurke essen mussten, bevor es dann langsam wieder Richtung Zivilisation ging

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen